Clariden (3267 m) und Bocktschingel (3068 m) liegen in den Kantonen Glarus und Uri.
Landeskarten mit Skirouten 1:50 000 Nr. 246 S Klausenpass

Swisstopo-Landeskarten - Schweizerische Eidgenossenschaft.

Der Clariden ist mehr als ein bergsteigerisches Schnellgericht zum Nebenverzehr. Eine Besteigung des Clariden wird zu den schönsten Hochtouren in den Glarner Alpen gezählt. Der breitgelagerte, mit einer eindrucksvollen verfirnten Steilflanke gegen den Klausenpass abfallende Clariden zählt zweifellos zu den harmonischsten und publikumswirksamsten Berggestalten des Urner- und Glarnerlands. Südwärts dagegen liegt das grösste Gletscherareal der Zentralschweiz, der Zusammenschluss von Hüfi- und Claridenfirn.
Die zwei völlig unterschiedlichen Gesichter des Berges verlangen natürlich auch zwei ganz verschiedene Zugangsrouten. Die schnellere von Norden hat neben dem geringeren Zeitaufwand vor allem den Vorteil, dass man sich ihm von seiner besten Seite her nähert, und die ideale Neigung der die Nordwand begleitenden Aufstiegsrampe prägt ihn zum idealen Skiberg.
Der Bocktschingel ist einer der stillen Nachbarn des Clariden. Dementsprechend selten wird er auch besucht, doch ein Besuch dieses Berges kann nur empfohlen werden.
Die Überschreitung dieser zwei Gipfel setzt eine gute Kondition voraus.

Bemerkung: Am Iswändli und am Gipfelgrat können Steigeisen erforderlich sein. Ein falsches Sicherheitsgefühl mag zu den vielen bisherigen tödlichen Unfällen am Clariden beigetragen haben. Das Vertrauen in die Erfahrung ist gefährlich, denn mit der Erfahrung wächst das Vertrauen, und mit dem Vertrauen kommen die Routine, die Nachlässigkeit und schliesslich die Gefahr. Es ist sicherlich eine Fiktion, eine erdichtete Annahme, dass dem Erfahrenen weniger oder nichts passieren kann. Gerade er sollte seine Grenzen kennen, sollte wissen, das am Berg schon der kleinste Ausrutscher verhängnisvoll sein kann.

Swiss Mystery
In der Schweiz spukts. Ruhelose Seelen, verhexte Gegenstände, paranormale Phänomene – früher wie heute haben Menschen von übersinnlichen Erlebnissen berichtet. Welche Wahrheiten stecken hinter Mythen und Märchen? Swiss Mystery ist den schaurigen Geschichten in den Bergen, Tälern und Städten auf der Spur.

Um Mitternacht hört man auf dem Claridengletscher manchmal ein leises Weinen und Klagen, und eine Kuh rennt über das Eis. Würde ein Senn sie melken, wäre sie vom Fluch erlöst – sie, ihr Senn und seine Hure. Südlich des Klausenpasses erhebt sich der Claridenstock, bis auf 3267 Metern über Meer. An seiner Nordseite schmilzt der Claridengletscher. Von nächtlichen Spaziergängen ist abzuraten. Wegen der Spalten und wegen Brändi, der verfluchten Geisterkuh, die nichts dafür kann. Schuld ist der giggerige Senn. Alptriebe

Alptriebe
Früher war der Claridengletscher eine blühende Alp. Sie gehörte einem reichen Talbauern, der seinen Sohn im Frühling mit dem Vieh auf die Alp schickte. Der aber, statt Alp und Vieh zu pflegen, trieb es mit der schönen Kathry. Kathry war je nach Quelle entweder seine Geliebte, seine Magd oder seine Hure. Die beiden trieben es verschwenderisch und wild. Der Senn vergötterte Kathry dermassen, dass er den Weg vom Käsegaden zur Hütte mit Käselaiben auslegte, damit ihre Füsse nicht schmutzig würden. Als die Mutter eintraf, um den Sommer auf der Alm zu verbringen, fühlten der Senn und seine Geliebte sich vom ungebetenen Gast in ihrem Treiben gestört. Der Senn vergraulte seine Mama gründlich, behandelte sie schlechter als seinen Hund Parysi. Als er ihr eine mit Pferdemist aromatisierte Milchspeise vorsetzte, machte die Mutter sich auf dem Weg ins Tal, nicht ohne den missratenen Sohn, sein Weib und die ganze Alp zu verfluchen.

Der Fluch
In der darauf folgenden Sommernacht begann es zu schneien. Es schneite so lange und lawinenartig, bis die Alp und alles Leben zugeschneit und hoch mit Schnee und Eis bedeckt war. So entstand der Claridengletscher. Und das einzige, was von der Alp darunter zeugt, ist Brändi, die Treichelkuh des Sennen, die manchmal auf dem Eis auftaucht und gemolken werden möchte, damit Senn, Hure, Hund und Alp wieder erlöst würden. Kann eine Verfluchung solche Naturgewalten auslösen? Dr. Jakob Bösch, Psychiater und Experte der Swiss-Mystery-Redaktion für Paranormales: «Wenn Segnungen wirkten, so täten dies auch Verfluchungen, meinen die einen. Sie verweisen auf die Bibel, die berichtet, Jesus hätte einmal einen Feigenbaum verwünscht, der daraufhin verdorrt sei. Andere halten das für Aberglauben. Beispielsweise sei US-Präsident George W. Bush wegen des Irakkrieges millionenfach verwünscht worden und lebe doch in vollem Wohlbefinden weiter.»

Wahr oder nicht wahr?
Erzählt wird die Geschichte von der verfluchten Alp seit langem. Als erster aufgeschrieben hat sie der Zürcher Naturforscher Johann Jakob Scheuchzer im Jahr 1705, und das gleich in mehreren Versionen. Der damalige Priester von Unterschächen, Karl Joseph Arnold, habe ihm damals selbst erzählt, er sei einst als junger Priester hinauf gestiegen und habe den verfluchten Senn laut herausgefordert. Daraufhin habe die Erde gebebt, er sei beinahe von Steinen erschlagen worden und wieder ins Tal geflohen. Kann es Zufall sein, dass auch von andern Gletschern ähnliches berichtet wird, etwa vom Unteraargletscher und vom Walliser Turtmanngletscher? Und dass die Frau in allen Varianten Kathrin oder Kathry hiess und der Hund Parysi oder Pari? Nur die Geisterkuh Brändi hat man andernorts nicht gesehen. Sie gehört zum Claridengletscher. Einer soll es übrigens tatsächlich einmal geschafft haben, sie zu melken. Aber aus den Eiszapfen an ihrem Euter soll Blut geflossen sein. Seither, so heisst es, hätte es keiner mehr versucht.

Tourenfotos Mai 2005

Morgenstimmung am
Clariden

Hüfifirn und Gross Schärhorn
vom Verbindungsgrat

Vorgipfel und Verbindungsgrat
zum Clariden-Hauptgipfel

Hauptgipfel des
Clariden

Bocktschingel und Gemsfaiernstock
vom Clariden

Claridenfirn und Clariden
vom Bocktschingel

Tödi höchster Glarnergipfel
vom Bocktschingel

Tüfels-Joch vom
Bocktschingel

Bocktschinge vom
Tüfels-Joch

Abseilen zwischen Tüfels-Joch
und Plateau des Roten Nossen

Rau Söckli und Im Griess
von etwa P.2303

Bocktschingel von
Griess

Aufstieg: Von der Kapelle am Klausenpass südlich gegen den Tieralpligrat zu 2417 m. Nun über den sich verschmälernden Tierälpligrat zur steil ansteigenden Zunge des Gletschers, dem Iswändli. Oberhalb des Iswändlis über den sanft geneigten Firn zum Chammlijoch, von wo man sich östlich haltend zum Skidepot des Vorgipfels begibt. (Für die Überschreitung des Clariden werden hier die Skis am Rucksack angebracht.) Weiter zu Fuss über den Vorgipfel (3193 m) und auf dem schmalen Verbindungsgrad zum Haupgipfel.

Vom Gipfel weiter über den östlichen Gipfelhang auf den Claridenfirn. Über diesen, vorbei am Bocktschingel, bis zur Höhe des Tüfelsjochs. Nun schwenkt man gegen das Tüfels-Jochs und gewinnt, gegen Westen ansteigend, durch die steile Nordost-Flanke den 3068 m hohen Bochtschingel-Gipfel.

Über die Nordost-Flanke zurück zum Grat des Tüfels-Jochs. Hier wieder Skier an den Rucksack schnallen und abseilen auf das Plateau des Roten Nossen (55 m Seil von Vorteil). Weiter rechts vorbei am Roten Nossen Richtung Tüfelsfridhof, hier westlich haltend, horizontal Richtung Im Griess, vorbei am Firnband (2164 m), zum Clariden Bödemli, von wo man wieder den Ausgangspunkt, die Kapelle des Klausenpasses erreicht.

Zum Bocktschingel sind es rund 1800 Höhenmeter und etwa 9 bis 10 Std für die Rundtour.
SAC-Schwierigkeitsgrad: ZS = ziemlich schwierig
Grat Tüfels-Joch bis Plateau Roten Nossen EX = extrem schwierig.

Startseite